
Business-Agilität neu gedacht: Eine Einführung in das Flight-Levels-Modell
Da hat man viel Aufwand in die Entwicklung „agiler Teams” investiert und stellt fest, dass sich weder die Geschwindigkeit zum Kunden noch die Zusammenarbeit über Team- und Abteilungsgrenzen verbessert hat. Das Problem liegt oft darin, dass zwar die Teams agil arbeiten, aber die Abhängigkeiten zwischen den Teams und anderen Abteilungen und die Verbindung zur Strategie unkoordiniert bleiben. Hier setzt das Flight-Levels-Modell an: Es ist kein neues Organisationsmodell, sondern eine Denkhilfe, um zu verstehen, an welchen Hebeln eine Organisation ansetzen muss, um echte “Business-Agilität” zu erreichen.
Was sind Flight Levels?
Flight Levels sind eine schöne Metapher für die Tatsache, dass sich je nach Flughöhe der Detailgrad dessen, was man sieht ändert. Im Flight Level Modell wird dieses Prinzip auf drei Levels übertragen:
Flight Level 3 (Strategie): Auf diesem Level wird die Strategie der gesamten Organisation visualisiert. Es wird geklärt, welche strategischen Ziele (Outcomes) erreicht werden sollen und welche Initiativen notwendig sind, um diese mit der operativen Umsetzung zu verbinden.
Flight Level 2 (End-to-End-Koordination): Dies ist der entscheidende Level für eine erfolgreiche Verbindung von Strategie und Umsetzung. Hier wird sichergestellt, dass die richtigen Stakeholder zur richtigen Zeit an der richtigen Sache arbeiten. Es geht um die Koordination der Wertströmen über Teams und Abteilungen hinweg, darum Abhängigkeiten zu managen.
Flight Level 1 (Operative/Team Ebene): Hier findet die tägliche Arbeit statt – sei es in der Entwicklung, im Marketing oder im Kundenservice. Es geht darum, dass die Teams ihren individuellen Arbeitsfluss optimieren.
Wichtig ist: Flight Levels sind keine Hierarchie. Level 3 ist nicht “wichtiger” als Level 2 oder Level 1. Sie erfüllen einfach unterschiedliche Funktionen, die erst im Zusammenspiel ihre volle Wirkung entfalten.
(https://circle.flightlevels.io/c/blog/flight-levels-the-hidden-solution-already-in-your-company)
Die 5 Aktivitäten auf allen Levels
Das Flight-Levels Model definiert fünf Aktivitäten, die auf allen Levels kontinuierlich angewendet werden sollten:
Die Situation visualisieren: In den meisten übergreifenden Prozessen ist Arbeit oft unsichtbar. Mithilfe von Boards wird der Arbeitsfluss und die Wechselwirkungen zwischen Einheiten greifbar gemacht.
Fokus schaffen: Wenn an zu vielen Dingen gleichzeitig gearbeitet wird, ist das System überlastet und es verlangsamt sich alles. Durch Priorisierung und Limitierung der Arbeit im System (WIP-Limits) kann sichergestellt werden, dass Arbeit im Fluss bleibt und Ergebnisse schneller geliefert werden.
Agile Interaktionen aufbauen: Hier geht es nicht um mehr Meetings, sondern darum, die richtigen Stakeholder regelmäßig zusammenzubringen. Das ermöglicht echte Kommunikation zum Austausch und zur gemeinsamen Ableitung von Handlungen.
Fortschritt messen: Messungen dienen als wichtige Feedbackschleifen, um zu sehen, ob man sich verbessert. Es geht nicht um starre Kennzahlen, passend zum System müssen Feedbackschleifen definiert werden, die es erlauben, „Fortschritt" zu messen.
Verbesserungen durchführen: Verbesserung ist ein integraler Bestandteil eines agilen Systems. Der Kreislauf aus Visualisierung, Fokus, Kommunikation und Messung ist nur sinnvoll wenn man daraus regelmäßig Verbesserungen für das System ableitet. Steve Covey nennt es “die Säge schärfen".
(https://circle.flightlevels.io/c/radar/the-5-activities)
Warum Flight Levels funktionieren
Ein entscheidender Vorteil ist, dass das Modell methodenagnostisch ist. Es schreibt den Teams nicht vor, ob sie Scrum, Kanban oder Wasserfall nutzen sollen. Genaugenommen beschäftigt sich das Flight-Levels-Modell wenig mit Level 1 und konzentriert sich stattdessen vor allem auf Level 2 und damit darauf die Kommunikation und Kooperation zu Verbessern.
Die Einführung erfordert keine Umstrukturierung der Organisation. Bestehende Strukturen werden nicht abgeschafft, sondern durch das Flight-Levels-Modell besser vernetzt. Das Ziel ist es, die meist unsichtbare Ablauforganisation sichtbar zu machen und so die Wertschöpfung hin zum Kunden zu optimieren.
Fazit: Business-Agilität ist kein Mannschaftssport auf Team- sondern auf Unternehmensebene. Das Flight-Levels-Modell bietet das notwendige Betriebssystem, um Strategie und operative Arbeit so zu verzahnen, dass die gesamte Organisation „abhebt“.

