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Die MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien – übersiedelt auf das Otto Wagner Areal. Ein Jahr lang haben Lehrende, Studierende und Mitarbeiter:innen gemeinsam erarbeitet, was die Universität am neuen Campus wirklich braucht. Das Ergebnis ist mehr als ein Planungsdokument: Es zeigt, wie eine Übersiedlung selbst zum Change-Prozess wird.


Der Prozess ist Teil der Veränderung

Die Übersiedlung auf das Otto Wagner Areal wird die Identität und das Selbstverständnis der MUK als Universität verändern. Dieser Veränderungsprozess hat längst begonnen: von der ersten Idee über die Vorstudien bis hin zu künstlerischen Zwischennutzungen auf dem Areal und im Pavillon 10. Mit der breiten Beteiligung an der Raum- und Funktionsplanung hat er sich weiter beschleunigt.

Durch die Art und Weise, wie sich die MUK mit den Fragen zum neuen Campus beschäftigt, verändert sie sich. Der Prozess ist also nicht nur Mittel zum Zweck. Er ist selbst Teil der Transformation.


„The process you use to get to the future is the future you get.“ – Myron Rogers


Deshalb ist das Design des Prozesses so entscheidend. Ein gut gestalteter Partizipationsprozess erfasst die komplexen Bedürfnisse einer Kunstuniversität in ausreichender Tiefe. Er lässt die Planer:innen die MUK wirklich kennenlernen – ihre Kulturen, Arbeitsweisen und ungeschriebenen Regeln. Und er gibt der MUK das Gefühl, von den richtigen Expert:innen begleitet zu werden. Vertrauen entsteht nicht durch Präsentationen, sondern durch gemeinsames Arbeiten.


Ein Grundriss in Worten

Ein Raum- und Funktionsprogramm (RFP) beschreibt systematisch, welche Räume eine Institution benötigt und welche Funktionen sie erfüllen sollen. Es legt fest, wie viele Räume gebraucht werden, welche Anforderungen sie haben und wie sie zueinander in Beziehung stehen. Daraus ergibt sich die Grundlage für alle weiteren Planungs- und Bauphasen.

Für die MUK bedeutete das: Bevor die Planung beginnen kann, muss in Worten feststehen, was die Universität am OWA braucht. Dieser „Grundriss in Worten“ entsteht nicht am Schreibtisch. Er entsteht aus dem Inneren der Institution heraus.

Der Prozess wurde so zum institutionellen Spiegel. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die MUK systematisch und universitätsweit gefragt: Was brauchen wir wirklich? Was können wir teilen? Was wollen wir gemeinsam sein? Das sind keine Fragen an Räume. Es sind Fragen an eine Organisation, an ihre Kultur und ihr Selbstverständnis als Gemeinschaft.


Veränderung auf drei Ebenen

Die Übersiedlung ist kein Umzug. Sie ist eine Gelegenheit, die MUK neu zu denken: als Campus-Universität, als integrierten Lehr- und Lebensort, als Institution, die ihre Arbeit in den öffentlichen Raum stellt. Die Transformation passiert auf drei Ebenen gleichzeitig:

  • Räumlich: Die MUK geht von einem Betrieb an drei Innenstadt-Standorten zu einem integrierten Campus. Das ist nicht nur eine Frage der Fläche, sondern eine neue Form des räumlichen Selbstverständnisses.

  • Kulturell: Der partizipative Prozess hat Institute und Abteilungen zusammengebracht. Er hat sichtbar gemacht, was geteilt werden kann und was unverzichtbar ist – und Vertrauen zwischen Nutzer:innen und Planenden, zwischen MUK und OWA geschaffen.

  • Institutionell: Die Reakkreditierung 2027–2037 fällt mit der Campusentwicklung zusammen. Das RFP ist damit auch ein strategisches Dokument: Es beschreibt, wie die MUK ihre Zukunft versteht – als Universität, die Exzellenz, Offenheit und Gemeinschaft in einem räumlichen Rahmen zusammenführt.


Drei Phasen, drei Grundsätze

Der Gesamtprozess war in drei Quartale gegliedert: Bedarfserhebung und Visionsarbeit, Reflexion und Optimierung, Konsolidierung und Qualitätssicherung. Jede Phase endete mit einer neuen Fassung des RFP, die letzte bildet die Grundlage für den Vorentwurf. Drei Grundsätze galten über alle Phasen:

  • Transparenz: Alle Zwischenergebnisse werden an die Beteiligten rückgemeldet, Entscheidungen werden begründet.

  • Kooperation: „Open Chair – Open Door“ ist nicht nur Haltung, sondern Arbeitsprinzip.

  • Iteratives Vorgehen: Jede Phase baut auf der vorigen auf und schärft das Bild Schritt für Schritt.


Fünf Formate der Beteiligung

Damit möglichst viele Stimmen gehört werden, setzte der Prozess auf fünf Formate, die einander ergänzen:

  • Nutzer:innen-Workshops, um den konkreten Raumbedarf gemeinsam mit den Instituten zu erheben.

  • Fokusthemen-Workshops, um Einzelthemen zu vertiefen und externe Expertise einzubinden.

  • Großgruppen und Konferenzen, um Energie zu mobilisieren und viele Beteiligte gleichzeitig zu erreichen.

  • Learning Journeys, um Außensicht und Inspiration zu sammeln.

  • Online-Befragung, um belastbare Prioritäten aller Statusgruppen zu erfassen.


Der Campus beginnt schon jetzt

Zwischennutzung ist ein wesentlicher Teil des Change-Managements. Sie macht den künftigen Campus erlebbar, lange bevor gebaut wird.

Seit 2025 bespielt die MUK den Pavillon 10 als ersten Brückenkopf am Otto Wagner Areal: mit Foyers, Workshop- und Vortragsraum, Übungszimmern, einem Bösendorfer Disklavier und zwei Küchen. Hier arbeitet das Projektteam, hier ist das RFP entstanden. Das OWA ist bereits heute ein Ort der MUK.

Drei Beispiele zeigen, wie lebendig dieser Ort schon ist:

  • Bösendorfer Performance Lab: Gemeinsam mit Bösendorfer Wien eröffnete die MUK im Pavillon 10 ein Labor für künstlerische Praxis, Technologie und Forschung rund um das digital vernetzte Disklavier. Zur Eröffnung „Wenn Klang Flügel bekommt“ ermöglichte eine Live-Schaltung zum Conservatorio di Rovigo ein Remote-Konzert.

  • Ganymed Areal: Die Neuinszenierung von Regisseurin Jacqueline Kornmüller bespielte erstmals das historische Gelände in Steinhof – gemeinsam mit dem Ganymed Ensemble und Studierenden der MUK. Premiere war am 25. April 2026.

  • Sommerfest: Am 9. Juni 2026 feierte die MUK ihr erstes Sommerfest am OWA. Studierende, Lehrende, Mitarbeiter:innen und Gäste erlebten, begleitet vom Institut für Jazz, einen lebendigen Campus-Abend.


Vom Bedarf zur Haltung

Das Raum- und Funktionsprogramm ist das Ergebnis eines Verständigungsprozesses: Welche Räume brauche ich wirklich, wenn ich weiß, was meine Kolleg:innen nebenan brauchen? Dass diese Verständigung möglich war, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie setzt die Bereitschaft voraus, institutionelle Grenzen zugunsten des Ganzen zu überdenken. Der Prozess hat diese Bereitschaft nicht nur eingefordert – er hat sie hergestellt.


„People love what they helped to create.“ – Richard Pascale


Diese Maxime lag dem Prozessdesign zugrunde, und sie hat sich bewährt. Über 20 Workshops, eine Campus-Umfrage mit 344 ausgefüllten Fragebögen, thematische Fokusgruppen, Sprint-Reviews und Learning Journeys haben nicht nur Daten produziert. Sie haben Teilhabe erzeugt, und Teilhabe erzeugt Verantwortung. Das RFP gehört denen, die es erarbeitet haben.


Was bleibt

Am Ende dieses Prozesses steht nicht nur ein Ergebnis, sondern eine veränderte Organisation. Die MUK kennt sich jetzt besser, spricht mehr miteinander und weiß genauer, wohin sie will – und warum.

Das Otto Wagner Areal bietet den Rahmen, das RFP beschreibt den Grundriss. Der eigentliche Campus aber entsteht in den Menschen, die ihn gestalten – in dem Moment, in dem aus einem Planungsdokument ein gemeinsames Projekt wird.


Unser MUK.Campus am 13. Oktober

Die Ergebnisse des Projekts zeigen wir am Dienstag, 13. Oktober 2026, von 10:00 bis 17:00 Uhr im MUK.podium, Johannesgasse 4a, 1010 Wien. Den ganzen Tag gibt es eine Ausstellung und Erlebnisstationen, um 13:00 Uhr Vorträge und ein Panel. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.

Für jede Projektphase erscheint ein eigener Bericht in Buchform. Dieser Artikel basiert auf dem Kapitel „Übersiedlung als Change-Prozess“ aus dem Buch zum Raum- und Funktionsprogramm. Das Kapitel gibt es hier als Leseprobe zum Download, das ganze Buch liegt bei der Veranstaltung auf.


Foto (c) _von eiland



BEITRAG VON

Martin Klein

Martin Klein

Wir freuen uns, gemeinsam Zukunft zu gestalten

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