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THINKING ON PAPER – RAUS AUS DEM KOPF, RAUF AUF’S PAPIER

THINKING ON PAPER – RAUS AUS DEM KOPF, RAUF AUF’S PAPIER

Wie Sie Schreibdenken als professionelles Werkzeug nutzen können.

 

#Myth No 1: Denken findet im Kopf statt

Berater*innen, Führungskräfte, Expert*innen denken viel. Denken ist ein wesentliche Teil ihrer Tätigkeit: Beobachten, Hypothesen bilden, Interventionen planen, Interventionen umsetzen, reflektieren.

 

Ständig wird gedacht - und zwar im Kopf.

Ja natürlich, wo denn sonst?! Deshalb haben wir ihn doch, den Kopf – zum Denken! Zum Glück hängt am Kopf noch ein ganzer Körper dran. Das nutzen wir beim Schreibdenken – schreiben als handlungsorientiertes Denken. Bam!

 

Raus aus dem Kopf, rein in den Körper- rauf auf’s Papier:  Thinking on Paper. Schreibdenken.

 

Mit Schreibdenken kommen der Körper und die Handlungsorientierung in den Denkprozess. Das Denken beeinflusst das Schreiben, das wieder das Denken beeinflusst. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass bereits beim Sprechdenken (einfach drauflosreden) das Chaos im Kopf allein durch die Struktur der Sprache geordnet wird.

 Beim Schreibdenken, bekommt das Denken dann nicht nur die sprachliche Ordnung, sondern auch noch eine Form und einen Körper -es wird dreidimensional.

 Dabei spielen nicht nur die Inhalte, sondern auch die Formen eine Rolle - Wie wir unsere Eindrücke zum Ausdruck bringen, mit welcher Form, beeinflusst wiederum das, was wir denken.

 

OMG, das klingt jetzt alles so, als wär’s schon wieder im Kopf. Nein. Gar nicht.

 

Die Tatsache, dass wir überhaupt irgendetwas in irgendeiner Form verschriftlichen konnten, war ein wesentlicher Katalysator für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen.

 

#Myth No 2: Schreiben kann man oder kann man nicht

Willkommen in der europäischen Genius Erzählung. Statt „Schreiben“ kann hier auch Singen oder Tanzen oder Führen stehen. Diese Genius Erzählung mag vielleicht für diejenigen günstig sein, denen das Genie angedichtet wird -für die Entwicklungsfreudigen unter uns, ist es weniger einladend. Es folgt diesem Narrativ auch gleich noch der Freibrief, den Genius, das eigene Wissen, für sich behalten - oder zumindest sehr unverständlich und schwer zugänglich machen zu dürfen. Denn: Man hat’s oder man hat’s nicht. Das Ergebnis sind Fachbücher, die als Einschlafhilfe dienen.

Anders ist das in den USA. Ja, ich wage es, im Jahr 2026 USA mit einem positiven Aspekt zu verbinden - ist natürlich genauso pauschal wie eingangs der Satz über Europa.

Die amerikanische Erzählung, dass man alles werden-  also alles lernen - kann, bringt mit sich, dass es in vielen Fächern wesentlich bessere Lehrbücher und Kurse gibt, wenn es um’s Erlernen von wasauchimmer geht.[5]

Auch das Schreiben Lernen hat an amerikanischen Universitäten lange Tradition. Creative Writing und in weitere Folge Scientific Writing sind feste Bestandteile der Academia.

 

Ohlala, eine positive Rückkopplung ! Dort lernen angehende Wissenschafter*innen zu schreiben und schreiben dann auch noch besser, was wiederum den Zugang zum Wissen für andere leichter macht, wodurch mehr Menschen für Wissenschaft begeistert werden könnten.

 

Jetzt kommt dann der dritte Myth in’s Spiel

 

#Myth No 3: Beim Schreiben geht es um das Ergebnis

Der Roman, der Artikel, der Bericht -deshalb schreiben wir. Nein. Beim Schreiben geht es um den Prozess. Schreiben und Denken sind eng miteinander verbunden. Ich kann das, was zu schreiben ist, nicht zuerst zu Ende denken und dann rausschreiben.

Im Schreiben wird das Denken beeinflusst und bringt mich wieder ein Stück weiter.

Schreiben, abliegen lassen, überarbeiten und dann wieder von vorne.

Schreiben ist ein Prozess, der zirkulär mit dem Denken verbunden ist.

Der Vorteil des Schreibdenkens kommt hier ganz klar zum Vorschein: Anders als beim Kopfdenken kann ich das Geschriebene noch einmal prozessieren, lesen, verarbeiten, hervorheben, überdenken, verwerfen.

Deshalb sind kreative Schreibtechniken auch für professionelles Arbeiten relevant.

 

Zum Schluss - Was kann das für Sie in Ihrer Arbeit bedeuten?

Es gibt eine Vielzahl von Schreibdenkwerkzeugen, die Sie in unterschiedlichen Bereichen verwenden können.

 

Ich setze Schreibdenken als wesentlichen Teil meiner professionellen Arbeit ein für


  • Texte (Bsp: seit 10 Jahren die wöchentlichen BusinessGedichte in Die Presse)

  • Designs für Klausuren/Workshops/Großgruppen/Seminare

  • Gesprächsvorbereitung

  • Reflexionsprozesse

 

Zur Inspiration: Elemente meines Schreibdenkprozesses


  • Gehen – Zu Beginn, wenn ein Begriff, ein Briefing vorhanden ist, ein Thema und ich mal in Gang kommen möchte, das Feld aufmachen.

  • Clustern – Ich nenne das „das freundliche Mindmapping“. Ich beginne mit einem Begriff/Thema am Blatt Papier und lass Bubbles mit anderen Begriffen angrenzend oder ergänzend entstehen.

  • Schreibstaffel – 3x5 min Freewriting, wobei es eine Staffelübergabe zwischen den Einheiten gibt. Dh nach Schreibblock 1 werte ich aus, was inspiriert mich, was hat sich geklärt. Das ist der Ausgangspunkt für Schreibblock 2 usw.

  • Freewriting: reflektieren, verarbeiten, integrieren, öffnen, in den Fluss bringen, Denkmuster neu ordnen


Ich schreibe alles mit der Hand, solange ich noch im Suchprozess bin. Das Gehirn verarbeitet anders, wenn wir mit der Hand schreiben im Vergleich zur Tastatur. Den ersten SFD (shitty first draft) schreibe ich dann auf der Tastatur.

 

Insofern war es eine große Freude, beim 10VORNE Netzwerktreffen mit dem Mini Workshop „Thinking on Paper“ einigen Kollegen und Kolleginnen aus dem Netzwerk meine Begeisterung und einige Tools näher zu bringen.


Der Tintenfunke ist übergesprungen und hat deren Arbeit ein Stück weitergebracht.

 

Nicht umsonst heißt es auch beim Schnapsen: Wer schreibt, der bleibt.

 

Ich freue mich auf Fragen, Erfahrungen und ein paar geschriebene Zeilen. Wenn auch Sie Schreibdenken -Thinking on Paper ausprobieren & anwenden wollen, freue ich mich auf Ihr Mail an info@susannepoechacker.at 

 


Buchempfehlungen


  • „Unflattening von Nick -Sousanis, Harvard University Press. Darin widmet er sich leidenschaftlich der Mehrdimensionalität, die durch Schreiben und Zeichnen entsteht.

  • „The Notebook – A History of Thinking on Paper“ – Robert Allen

  • Schreibdenken, Ulrike Scheuermann, 3. Auflage, utb. Neben einem kurzen historischen Abriss des Schreibdenkens findet man drin sehr hilfreiche Schreibtools, Methoden, Werkzeuge wie zB die Schreibstaffel, mit der ich Texte, Workshop Designs und Ähnliches vorbereite.


BEITRAG VON

Susanne Pöchacker

Susanne Pöchacker

Wir freuen uns, gemeinsam Zukunft zu gestalten

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